Unsere Technologie macht es möglich, seine Stromrechnung in Bitcoins zu bezahlen

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Der finnische Unternehmer Stani Kulechov entwickelt Technologien im Bereich Blockchain und Kryptowährungen. Als Standort für sein Start-up Aave hat er sich Chiasso ausgesucht.

Binnen weniger Jahre ist Zug zur Hauptstadt der virtuellen Währungen aufgestiegen. Die Stadt hat es geschafft, Dutzende Jungunternehmen, die in diesem boomenden Sektor hervorstechen, bei sich anzusiedeln. Das geht so weit, dass einige heute vom „Crypto Valley“ sprechen. Das Umfeld, das durch diese Konzentration in dem kleinen Deutschschweizer Kanton entstanden ist, weckt auch das Interesse der Akteure an anderen Schweizer Regionen. Ein Beispiel dafür ist das Start-up Aave, das im Bereich Fintech und Blockchain aktiv ist. Der finnische Gründer Stani Kulechov hat beschlossen, sein Projekt in Chiasso anzusiedeln. Erläuterungen.

Was bietet Aave an?

Stani Kulechov: Unser erstes Produkt, das 2017 lanciert wurde, heisst ETHLend. Es ist ein Tool, mit dem man Kryptowährungen als Garantie für ein Darlehen nutzen kann. Genau gesagt, entwickeln wir Produkte im Bereich Crowdlending zwischen Privatpersonen. Eine Person, die virtuelles Geld besitzt, es aber nicht verkaufen will, kann auf unsere Plattform gehen und bei einem anderen Nutzer innerhalb weniger Minuten ein Darlehen in realer Währung aufnehmen, wobei das Kryptogeld als Garantie dient. Beide Parteien einigen sich zum Zeitpunkt der Kreditvergabe auf einen Zinssatz. Wenn das Darlehen vollständig zurückbezahlt ist, bekommt der Nutzer sein virtuelles Geld zurück. Wenn er das Darlehen am Ende der Laufzeit nicht zurückzahlen kann, steht das virtuelle Geld dem Gläubiger zu.

Welche Bilanz ziehen Sie aus diesem ersten Produkt?

Kulechov: Seit der Lancierung haben wir ein Kreditvolumen von USD 20 Millionen erreicht. Im letzten Jahr haben wir darüber hinaus eine Partnerschaft mit Cashare, einem der Schweizer Pioniere der Crowd-Finanzierung, geschlossen, damit er unsere Technologie so anpasst, dass er sie seinen Kunden anbieten kann. Unser Ziel ist, in Zukunft mit weiteren Kredit-Organisationen in der Schweiz und weltweit zusammenzuarbeiten.

Was sind die anderen Entwicklungsachsen von Aave?

Kulechov: Ende Februar haben wir ein zweites Produkt lanciert. Es handelt sich um ein Umrechnungs-Tool, das für Besitzer von Kryptowährungen gedacht ist. Dank dieser App lassen sich virtuelle Währungen wie Bitcoins schnell in reale Währungen umwandeln, um das Geld auszugeben und beispielsweise eine Stromrechnung zu bezahlen. Konkret läuft es so: Der Nutzer übermittelt uns die Angaben der Rechnung, die er begleichen will, wir nennen ihm den entsprechenden Betrag in Kryptowährung, er zahlt diese Summe ein und wir bezahlen die Rechnung an seiner Stelle. Bisher musste man, wenn man Bitcoins zum Zahlen in Schweizer Franken nutzen wollte, die Bitcoins umtauschen, Gebühren zahlen, mehrere Tage warten… Wir bieten dem Nutzer also einen einfacheren und schnelleren Prozess an.

Als Sitz für Ihre Firma haben Sie die Schweiz gewählt. Warum?

Kulechov: In der Schweiz gibt es eine grosse Community von Menschen und Unternehmen im Bereich Blockchain und Kryptowährungen. Wir wollten von diesem Umfeld profitieren. Darüber hinaus bietet das Land einen flexiblen gesetzlichen Rahmen und einen robusten Markt, um neue Produkte zu testen.

Und warum gerade Chiasso?

Kulechov: Das eigentliche Zentrum dieses Sektors liegt in Zug, aber auch in anderen Kantonen findet man interessante Akteure, zum Beispiel in Genf oder im Tessin. Wir haben uns für Chiasso entschieden, weil wir somit nah an Italien und Frankreich sein können. Und es gab noch einen weiteren Aspekt, der zu dieser Entscheidung beigetragen hat: Es kostet weniger, sich in Chiasso niederzulassen als in Zug oder der Region Zürich. Im Moment haben wir 17 Beschäftigte. Neun von ihnen arbeiten in Chiasso. Die anderen sind in unserem Londoner Büro, das wir 2018 eröffnet haben.

Haben Sie sich Hilfe bei darauf spezialisierten Institutionen gesucht?

Kulechov: Wir haben uns vor allem auf die Erfahrungen anderer Unternehmen gestützt, die sich für die Schweiz entschieden hatten und dieselben Schritte gegangen waren. Im Zuge der Firmengründung war die Sprache eine Hürde. Aber seit unser Unternehmen hier ansässig ist, läuft alles problemlos.

Aave gibt es nun seit zwei Jahren. Welche Vorteile sehen Sie darin, dass Sie in der Schweiz sind?

Kulechov: Die geographische Nähe zu ähnlichen Firmen ist für uns der grösste Vorteil. Dadurch können wir vor allem Informationen austauschen, in einem Bereich, in dem man unbedingt immer auf dem neusten Stand sein muss.

Ist der Standort Schweiz ein Pluspunkt, um qualifizierte Arbeitskräfte einstellen zu können?

Kulechov: Das spielt eine Rolle, da wir vor allem in Frankreich, Italien, Deutschland und der Schweiz rekrutieren. Aber wir sind in einer Nischen-Technologie aktiv, in der nur sehr wenig Know-how verfügbar ist. Daher suchen wir auch auf einer allgemeineren Ebene nach neuen Talenten.

Quelle:bitkom